Mein bisheriger Weg als Render

In einem anderen Beitrag habe ich schonmal meine Anfänge als Redner und meine frühen Experimente mit Vorträgen in meiner Ausbildung erläutert.

Den Text findest du hier

In diesem Abschnitt möchte ich dich gerne noch etwas weiter mitnehmen auf meiner Reise hin zum Public Speaking:

Wie schon gesagt in meiner Ausbildung an der Handelsmittelschule Schaffhausen hörte ich selbst viele Vorträge und durfte selbst viele Vorträge halten. Es gab viel gutes in dieser Ausbildung aber ehrlich gesagt sind die Vorträge bis heute für mich mit Abstand das Beste!

2012 schloss ich den schulischen Teil meiner Ausbildung ab und es folgte ein Jahr Praktikum bei einer Firma für Mechatronik und Elektromobilität. Nach einem ziemlich gescheiterten Einstieg in der Buchhaltung, setzten mich die Geschäftsführer probeweise im Verkaufsaussendienst ein. Dieser interne Wechsel hat auf jeden Fall gefruchtet und ich konnte mein kommunikatives Talent ausleben und einsetzten.

Nach einem halben Jahr fand ein grosses Event, auf dem Firmenareal statt, wo sich auch eben jenes Unternehmen befand. Auch wir wurden darum angefragt kurz das Unternehmen und unsere Produkte vorzustellen. Schon dort setzte ich mich sofort ein, einen Teil dieser Präsentation zu übernehmen. Mit Erfolg. Aber schon dort musste ich das erste Mal lernen, dass im Firmenalltag gewisse Formen bei einer Präsentation eingehalten werden müssen. Ich konnte es zwar nicht verstehen aber ich beugte mich natürlich. Nichts desto trotz mit 19 Jahren das erste Mal erfolgreich vor einer Gruppe von etwa 30 Personen gesprochen. Alle waren zufrieden ich soweit auch.

2013 folgte dann eine etwas andere Ausbildung im Bereich der Kunst vor Menschen zu sprechen: Das Schweizer Militär. Nach 9 Wochen Rekrutenschule gab es für mich kein entkommen und ich wurde in die Unteroffiziersschule nach Airolo gesteckt. Ausbildungen in Führung, Befehlsgebung, Gruppendynamik und Persönlichkeit folgten. Eine lehrreiche aber auch anstrengende Zeit. Und plötzlich stehst du da mit zarten 21 Jahren und musst deine Rekruten führen. Für mich eine Schule die ich nie wieder vergessen werde in meinem Leben – denn wo sonst hat ein 21 jähriger die Möglichkeit völlig frei Führungsstile auszuprobieren und was Menschen unter den schwierigsten Bedingungen zur Erbringung eines gemeinsamen Resultats bringt. Ich entdeckte damals die stark dominante Seite, die ich in meinem Persönlichkeitsprofil mitbringe. Ich machte die Erfahrung dass man mit lauter Stimme und harten Worten durchaus zum Ziel kommt aber es definitiv nicht die beste Lösung ist.

2015 stieg ich dann richtig in das Berufsleben ein. Die Stelle als Fundraising Manager bei World Vision Schweiz stand an. Der Auftrag eines Fundraising Managers bestand darin bei Firmen Spendengelder zu akquirieren. In diesem Falle musst ich eigentlich nichts anders machen als Emotionen zu verkaufen. Dies lernte ich wohl ziemlich schnell und bekam eine grundlegende Erfahrung mit auf dem Weg, die mir noch sehr zu gute kommen würde: Die Fähigkeit Emotionen zu transportieren und Menschen mit meiner Begeisterung für eine Sache anzustecken. Da ich in meiner Zeit bei World Vision direkt an der Umstrukturierung des Kerngeschäfts unseres Teams beteiligt war, kam für mich plötzlich die einmalige Chance, interne Schulungen abzuhalten über das Kerngeschäft des Corporate Team. Auf einmal stand ich im Fokus der ganzen Belegschaft und sprach immer wieder vor den 90 Mitarbeitern und ich habe es jedes Mal geliebt. Externe Möglichkeiten für Vorträge liessen nicht lange auf sich warten. Einmal sprach ich vor einer Gruppe von 5 Personen über das Geschäft von World Vision, einmal vor 50 Personen oder auch mal vor einer ganzen Schule. Ich habe damals so viel über Public Speaking gelernt – vor allem durch Fehler die ich gemacht habe. Aber durch die Reflexion nach jedem einzelnen Speech konnte ich mich stetig weiterentwickeln.

Diese Erfahrung gekrönt hat für mich mein erster Auftritt als Key Note Speaker im Alter von 24 Jahren am ersten Swiss Sales Forum: Wochen der Vorbereitung lagen hinter mir und ich brannte auf die Erfahrung auf der grossen Bühne vor mehren hundert Menschen zu sprechen. Und wie das Leben so spielt in diesen Momenten hatte ich am Tag des Events 39 Grad Fieber. Ich schwitzte und meine Stimme war ebenfalls auf dem besten Weg sich früher oder später zu verabschieden. Doch ich hatte zu lange auf diesen Moment gewartet um jetzt aufzugeben. Also stand ich auf diese Bühne und gab alles was ich hatte. Ich war wohl an meinem bisher schlechtesten Tag besser als je zuvor. Damals und bis heute ein grosser Erfolg für mich.

Ich wollte mich jedoch weiter entwickeln und nicht stillstehen. Ich wollte meine Kommunikationsskills verbessern und stiess auf den Einsatz des Schweizer Militärs im Kosovo und die Funktion als Public Information Officers. Nicht lange gezögert habe ich mich gleich beworben und wurde gleich abgelehnt. Nicht das richtige Profil hiess es. Ich liess mich durch Voraussetzungen wie Kommunikations- oder Journalismusstudium nicht abschrecken und sammelte alles was ich an Material hatte – wo ich jemals vor Menschen gesprochen habe oder etwas mit Kommunikation zu tun hatte. Verpackte alles in eine Bewerbung und startete nochmals ein Versuch. Dieser Effort hat sich gelohnt und ich wurde zum Assessment eingeladen und später eingestellt – Kontingent 37 als Public Information Officer kurz PIO. Und wieder stand ich im Tarnanzug da und erhielt die Möglichkeit vor Menschen zu sprechen und wieder musste ich mich vielen Formen des Bundes beugen. Präsentation hatten nach Schema F auszusehen – es musste offiziell begrüsst werden und man musste, das mir so verhasste Rednerpult, benutzen. Obwohl mir all diese Dinge zu wieder waren wollte ich auch hier das Maximum an Input für mich rausholen. Das für mich prägendste Ereignis im Bereich des Public Speaking war ein kurzer Speech am Besuchstag vor Familien und Freunden aller Angehörigen unseres Kontingents – geschätzt etwa 600 – 800 Personen.

All diese Erfahrungen bis knapp Mitte 20 haben mich hungrig gemacht – hungrig mehr über das Thema Public Speaking und Rhetorik zu lernen. Aber ich wollte einmal mehr nicht das tun was man von mir erwartete – was mit Sicherheit ein Studium oder eine weiterführende Schule gewesen wäre. Ich wollte von den Besten lernen – ich wollte von denjenigen Lernen die Hallen und Stadien füllen mit Menschen die hohe Preise zahlen um sie sprechen zu hören. Von YouTube kannte ich die Videos von Gedankentanken und die Redner die dort auftraten brachten all das mit was ich auch beherrschen wollte. Der Wille war da, das Geld, welches ich im Einsatz verdient habe, ebenfalls und ich meldete mich für die Trainer Masterclass in Köln an. Es folgte ein Jahr mit regelmässigen Pflichtterminen in Köln. Vor jedem Seminar glänzten meine Augen von neuem, wenn ich wusste, dass ich gleich von einem Redner lernen durfte, den ich bis anhin nur aus dem Internet kannte. Die Möglichkeit mit für mich grossen Vorbildern zu sprechen und ihnen all die über Jahre angestauten Fragen zu stellen. Ich habe in diesem Jahr wohl soviel gelernt wie ich in meiner gesamten Schulzeit nicht gelernt habe.

Schon während der Ausbildung wurde mir aber etwas klar: Ich wollte mich nicht mehr irgendwelchen Formen eines Unternehmens beugen. Ich wollte das alles so machen wie ich es für richtig und effektiv halte. Den Schritt in eine Selbständigkeit zu wagen war kein einfacher insbesondere da ich in einem Unternehmerhaushalt gross geworden bin und nur zu gut die Schattenseiten dieses Abenteuers kannte. Doch der Wunsch Vorträge und Trainings nach meinen Erfahrungen und meiner gestalterischen Freiheit zu halten war grösser.

Und jetzt bin ich hier und blicke auf meine ganzen bisherigen Erfahrungen zurück, auf jene auf die ich stolz bin und auf jene die mich nicht so stolz machen. Ich blicke auf viele Vorträge zurück, die ich in den unterschiedlichen Funktionen halten durfte und ich blicke auf noch viel mehr Vorträge zurück die ich selbst als Zuschauer erlebt habe – Das alles ist Teil dieses Wegs und dieser Weg hat gerade erst begonnen!

 

 

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