Der Luchs, mein stetiger Begleiter

«Boah eh, wie lange soll das noch dauern?» Eine Frage, die sich Christian bereits in seiner Primarschulzeit des Öfteren stellt. «Luchse sind ja schön und gut – an sich interessante Tiere. Doch muss man sie durch einen Vortrag so verunstalten?» Ein Blick zu den Mitschülern bestärkt seinen Gedanken: Ausser den zwei Klassenbesten, welche ihre Hände jeweils bereits vor einer Frage krampfartig in die Höhe schnellen lassen, scheinen alle zu dösen. Auch hier starren die zwei gespannt auf den einen Mitschüler, welcher nur wenige Meter vor ihrem Pult den Steckbrief eines Durchschnitt-Luchses von einem Spickzettel abliest, und warten auf den Moment, bei dem sie ­– wie aus einer Pistole geschossen – bei einer Frage den Zeigefinger Richtung Decke spreizen können. Doch der Moment kommt nicht.

Genau diese – oder besser: so ähnliche – Gedanken schwirren Christian auch heute durch den Kopf. Klar, heute fragt er sich nicht mehr, wann die Tortur zu Ende ist, sondern eher, wie man aus der Tortur eine beispiellose und bemerkenswerte Geschichte formt: Wie man aus dem Luchs einen Löwen macht sozusagen.

Denn das ist nicht nur sein Job, sondern auch seine Leidenschaft. In den letzten 15 Jahren, in welchen er es sich zur Aufgabe gemacht hat, Präsentationen zu analysieren, ist ihm noch öfters ein Luchs über die Leber gelaufen. Christian stellt fest, dass über die Schulzeit hinaus Botschaften nicht so weitergegeben werden, wie sie es eigentlich verdient hätten. Wo bleibt die brennende Frage? Wo ist der Weckruf fürs Publikum? «Aufmerksamkeit ist heute die höchste Währung», davon ist er überzeugt. Und Aufmerksamkeit muss erkämpft werden. Früh in seiner beruflichen Laufbahn lockt so die Bühne und Christian tritt als Speaker für verschiedenste Organisationen auf – von Verkaufsseminaren von World Vision über CEO-Events von Berufsverbänden bis zu internationalen Militäreinsätzen der Schweizer Armee. Ob vor einer Person oder vor tausend Menschen – Christian lernt schnell, dass das Feuer erst in ihm brennen muss, bevor er das Publikum damit anstecken kann. Es sind die Emotionen im Saal, in der Halle oder im Sitzungszimmer, welche ihn heute vor die Zuhörer locken. Dieselben Emotionen motivieren ihn auch dazu, seine Erfahrungen in Seminaren als Auftrittstrainer zu teilen und interessierten Mitmenschen weiterzugeben, damit weitere Luchse zu Löwen wachsen können.